Yves Klein, Teil eines Triptychon, 1961, Blattgold auf Karton Das Schimmern des edelsten Metalls hat von jeher Künstler fasziniert. So diente das Blattgold dem Künstler über Jahrhunderte als Verkörperung der Transzendenz: in mittelalterlichen Heiligendarstellung mit vergoldetem Bildhintergrund und mit Blattgold gefassten Holzskulpturen ebenso wie als Ausdruck der Immaterialität in der Skulpturen des zeitgenössischen Künstlers Yves Klein. Auch im Kunsthandwerk genießt diese wertvollste aller Dekorationsformen seit Jahrhunderten höchstes Ansehen. Es ist Ausdruck des Reichtums und Wohlstandes der Besitzer und besticht durch sein Lichtspiel und seinen Glanz.
Die aufwendige Herstellung, die komplizierte Verarbeitung und die Vielseitigkeit der Sorten verdient eine genauere Betrachtung.
Die Herstellung
Zur Herstellung von Blattgold werden Gold und verschiedene andere Metalle, die für die entsprechende Legierung benötigt werden, bei ca. 1200 Grad C geschmolzen und anschließend zu 4 cm breiten Stangen gegossen. Präzisionswalzenwerke stellen daraus 0,007 mm dicke Goldfolien her.
Goldrahmen Die Goldfolien werden weiter solange gleichmäßig geschlagen, bis sie eine Dicke von 1/8000 mm aufweisen. Die Arbeit, die heute von Maschinen ausgeführt wird, wurde früher von Hand ausgeübt. Die Dehnbarkeit des Materials ermöglicht es die Folien so dünn auszuarbeiten und sie trotz der unglaublich geringen Dicke (man kann Blattgold nicht mit Fingern anfassen, denn es zerreibt sich bei Berührung) zu einer geschlossenen Oberfläche zu verarbeiten, die nach Beendigung der verschiedenen Arbeitsschritte einen gleichmäßig metallischen Glanz ergeben. Dabei spielt vor allem der Untergrund eine wichtige Rolle, denn nur durch einen glatten und fein gearbeiteten Untergrund kann der oben beschriebene Glanz erzielt werden.
Rosenobel - 23,75 Karat Die Blattgoldsorten:
Blattgold ist in verschiedene Sorten eingeteilt, die sich durch ihre Farbigkeit und Karatzahl unterscheiden. Die Farben des Goldes werden in Rosenobel, Dukaten-, Rot-, Alt-, Orange-, Gelb-, Citron-, Grün-, Hellgrün- und Weißgold eingeteilt.
Rotgold - 23 Karat Als Grundlage der Karatrechnung dient die Münzmark (eine amtliche Maßeinheit von 1842), die in 24 Teile (Karat) und davon jedes Karat in 12 Gran teilbar war. Zum Beispiel enthält 20-karätiges Gold 20 Teile Gold plus 4 Teile zusätzliche Metalle, wie Silber, Kupfer, Palladium, Platin, etc.
Orangegold - 22 Karat Die unterschiedlichen Legierungen bestimmen die Farbigkeit des Goldes, auch ihre Wertig- und Beständigkeit wird dadurch definiert.
Gelbgold - 21 Karat Für Außenvergoldungen werden Sorten mit mindestens 23 Karat gewählt, da diese einen so geringen Anteil an anderen Metalle enthalten, die durch Umwelteinflüsse oxidieren und somit ein fleckiges Erscheinungsbild entwickeln könnten.
Citrongold - 18 Karat Durch Benetzen mit Salzsäure kann man prüfen, ob Gold rein ist, denn es verändert sich dadurch nicht.
Goldsorten unter 14 Karat können auch chemisch gefärbt werden.
Grüngold - 16,75 Karat Die Blattgoldgröße:
Die Blätter werden in der Regel in einer Größe von 8 x 8 cm aus den Goldfolien geschnitten und in so genannte Hefte aus Transparentpapier gelegt.
Weissgold - 6 Karat Die Handelsform:
25 Goldblätter ergeben ein Heft, 12 Hefte werden als Buch bezeichnet, also beinhaltet ein Buch 300 Blatt Gold.
Vergolderbrett mit Goldheft, Orangegoldblatt (22 Karat) und Vergoldermesser Die Verarbeitung:
Das Transparentpapier wird zwischen den Seiten leicht eingepudert, damit sich die dünne Goldfolie unbeschadet aus den Heften löst. Zur Verarbeitung werden die einzelnen Blätter vorsichtig aus dem Heft mit einem Vergoldermesser auf ein Vergolderbrett gelegt. Das Vergolderbrett ist ein leicht wattiertes und mit feinem Wildleder bezogenes Holzbrett, auf dem die Blätter auf die benötigte Größe geschnitten werden.
Anschiesser, der ein Stück Orangegoldblatt (22 Karat) aufnimmt. Mit dem Anschiesser (Eichhörnchenhaar – im Fachjargon als Fehhaar bezeichnet - in Karton gefasst) werden die zerteilten Blätter auf den vorbereiteten Untergrund gebracht. Diese Verarbeitungsart wird in den Ateliers und Werkstätten angewandt, bei Außenvergoldungen benutzt der Vergolder Transfergold, auch Sturmgold genannt. Hier ist das Goldblatt an ein größeres Transparentpapierblatt gepresst, und kann an den Kanten angefasst werden. Das leichte Material, das beim geringsten Lufthauch wegfliegen würde, kann somit auch problemlos draußen verarbeitet werden. Bei der Transfervergoldung werden die Blätter mit der Schere auf die entsprechende Größe gebracht, was insgesamt einen größeren Zeitaufwand bedeutet.
Für Restaurierungszwecke wird Pudergold benutzt. Das zu feinem Pulver gemahlene Gold wird, im reversiblen Bindemittel gebunden, mit dem Pinsel auf die Fehlstellen aufgetragen.
Neben Gold werden auch noch andere Metalle wie Silber, Kupfer, Bronze und Aluminium zu Blattware verarbeitet, wobei Gold allerdings am dünnsten ausgearbeitet wird. Alle anderen Blattmetalle kann man, wenn auch vorsichtig, mit den Fingern anfassen, ohne sie direkt zu beschädigen.