Von Lars Klemm, Dipl.-Restaurator (Lager- und Depotverwaltung), info@k3-artservices.de
Ausschlaggebend für die Haltbarkeit einer Fotografie ist ihre Herstellungsweise.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich ausgerechnet diejenigen fotografischen Verfahren nicht als wettbewerbsfähig erwiesen, die zu einer äußerst langlebigen Beständigkeit in der Lage gewesen wären. So werden beispielsweise das Auskopierverfahren in der Schwarzweißfotografie und das Dye Transfer Verfahren in der Farbfotografie kaum noch verwendet. Das Kriterium der Haltbarkeit spielt bei der Produktentwicklung nur in dem Maße eine Rolle, wie sie einen Wettbewerbsvorteil darstellt und zur marktwirtschaftlichen Überlegenheit beiträgt.
Karl Blossfeldt, Nigella damascena, Silbergelatinabzug, 1920-1928 Die erste Unterscheidung hinsichtlich der Haltbarkeit wird zwischen Schwarzweiß- und Farbfotografie getroffen. In Schwarzweißfotografien besteht die Bildsubstanz aus fein verteiltem elementaren Silber, das gegenüber Licht unempfindlicher ist als die organischen Farbstoffe in Farbfotografien. Grundlage ist die lichtempfindliche Eigenschaft von Silberhalogeniden, chemischen Verbindungen aus Silber und Halogenen (Brom, Chlor oder Jod). Der Film besteht aus einer festen Dispersion von feinsten Silberhalogenidkörnern in einem Schutzkolloid (Gelatine) auf einer transparenten Trägerschicht. Bei der Belichtung des Filmes gehen die Silberhalogenide chemische Reaktionen ein und bilden ein so genanntes latentes Bild, das nach der Entwicklung des Filmes als Bild sichtbar und beständig gemacht wird.
Die Schwarzweißfotografie basiert also auf dem Prinzip des Negativ-Positiv-Verfahrens. Die erhaltene Abbildung wird als Negativ bezeichnet, da in ihr dunkle Stellen des Ursprungsmotivs hell, helle Stellen aber dunkel wiedergegeben werden (bei Farbnegativen sind Farbwerte komplementär wiedergegeben). In einem zweiten Entwicklungsprozess, bei dem die fotografische Abbildung - das Postiv - entsteht, werden diese Hell-Dunkel-Werte erneut umgekehrt und so dem realen Gegebenheiten des Motivs angepasst.
Verfahren der Schwarzweißfotografie
Das elementare Silber in den Schwarzweißfotografien kann auf zwei unterschiedliche Arten entstehen. In beiden Fällen wird Bildsilber aus lichtempfindlichen Silbersalzen gebildet.
Hiroshi Sugimoto, The Royal Family, Silbergelatin Abzug, 1994 Die historische Variante Bildsilber zu erzeugen besteht in der direkten und ausreichenden Entwicklung. Der Einfluss von Licht bewirkt die Umwandlung der Silberhalogenide in elementares Silber, so genanntes fotolytisches Silber. Die Belichtungszeiten sind hierbei lang. Nach ausreichender Belichtung erfolgt die Fixierung, um das nicht belichtete Silberhalogenid zu entfernen, und anschließend eine Entwässerung und Trocknung.
Dieses Verfahren wird als Auskopierprozess bezeichnet. Das Trägermaterial, also fotografische Papiere, auf denen Bilder durch Belichtung erzeugt werden, heißen Auskopierpapiere. Dieses Verfahren, zu denen etwas der Öl- oder Albumindruck zählt, wird auch heute noch von Künstlern genutzt.
Die andere Möglichkeit, das elementare Silber zu erzeugen, besteht in der chemischen Reduzierung eines Silberhalogenidekristalls. Dieser muß genügend lange belichtet werden, um ein aus elementaren Silberpartikeln bestehendes latentes Bild zu erzeugen.Wasserlösliche chemische Reduktionsmittel, die Entwickler, reagieren mit den elementaren Silberteilchen, so dass der Kristall einheitlich zu Silber reduziert wird.
Die Belichtungszeiten variieren zwischen einer Sekunde in Kameras und mehreren Sekunden für Fotopapiere. Die entsprechenden Papiere heißen Entwicklerpapiere, die auch wieder fixiert, gewässert und getrocknet werden müssen.
Dieses Verfahren dominiert die heutige Schwarzweißfotografie, so zählen beispielsweise die Silbergelatinabzüge zu diesem Verfahren.
Die Körnung
Die elementaren Silberkörner der fotografischen Abzüge unterscheiden sich in Form und Größe. Die Morphologie der Silberkörner der Auskopierpapiere ist um zwei Größenordnungen kleiner als die durch Entwicklung gebildeten; diese sind etwa 0,04 µm groß. In Filmen sind die Silberkörner in der Regel größer als in Papierabzügen, um die Empfindlichkeit des Filmes zu erhöhen. Die Wahl der Körnung hängt eng mit dem künstlerischen Schaffen des Fotografen und der gewünschten Wirkung des Bildes zusammen.
Haltbarkeit von Schwarzweißfotografien
Die Komponenten aus denen Schwarzweißfotografien bestehen, wie Silber, Trägermaterialien und Bindemittel, sind instabil und können durch verschiedensten Umwelteinflüssen, wie Licht, Feuchtigkeit, Temperatur oder Chemikalien, angegriffen und zersetzt werden.
Redoxflecken unter dem Mikroskop betrachtet. Das Bild in Schwarzweißfotografien besteht aus metallischem Silber. Diese Silberpartikel werden durch oxidierende Substanzen, Feuchtigkeit und Wärme zerstört: Silberionen spalten sich ab, wandern vom Ursprungsort weg, bilden neue, kleinere Silberkomplexe oder werden zu Oxiden, Sulfaten, Sulfiden, Nitraten und kolloidalem Silber verändert. In der Folge steigt der Grundschleier des Fotos, und die Farbe des Bildes verändert sich mit der sinkenden Korngröße von Schwarz über Braun nach Gelb bis zur Unsichtbarkeit. Das Bild bleicht aus und/oder es bilden sich Redox-Flecken (schwärzliche Verfärbungen), da Peroxyde durch das Eindringen von Sauerstoff das Silber reduzieren. Wichtig ist auch der Gehalt an Restchemikalien, die vom Entwickeln noch im Abzug verblieben sind und nicht ausgewaschen wurden und dann das Verbleichen des Bildes fördert.
Das Bindemittel und die Trägerpapiere
Das Bindemittel Gelatine kann sehr lange ohne gravierende Veränderungen überdauern, ist aber bei Luftfeuchtigkeit über 65 % ein idealer Nährboden für Schimmelpilz und Bakterienfraß.
Risse in der Gelatinschicht aufgrund von Temperaturschwankungen Die fotografischen Trägerpapiere der Silbersalzfotografien müssen aus Verfahrensgründen hochwertig sein, was für eine langfristige Haltbarkeit sehr positiv ist. Das seit Beginn der 70er Jahre verwendete Polyethylen als Trägerstoff dagegen kann sich durch Lichteinfluss und Weichmacherverlust zersetzen, was in der Folge natürlich auch das Bild schädigt.
Die Gelatine- oder Kollodium-Auskopierpapiere haben sich bis jetzt gut und schadlos erhalten. Ihr Träger bleibt durch die Barytschicht weiß, und auch das Kollodium oder die Gelatine vergilben nicht. Das Bildsilber ist aber trotz standardmäßig durchgeführter Goldtonung nicht vor dem Verbleichen geschützt.
Das heutige Bromsilberpapier wird in den meisten Fällen nicht mehr so sorgfältig verarbeitet, wie seine Vorgänger. Dass hierdurch die Haltbarkeit ganz besonders beeinflusst wird, zeigt sich deutlich, wenn man berücksichtigt, dass braune Verfärbungen durch schlechtes Fixieren oder Wässern nach dem Zweiten Weltkrieg nicht seltener zu finden sind als bei Bildern aus den 20er Jahren.
Aufbewahrung und Präsentation
Verfärbung der Fotografien aufgrund von nicht säurefreien Passepartouts Wertvolle Schwarzweißfotografien sollten daher separat in Silversafepaper und faltbaren Archivschachteln aus Karton gelagert werden. Die Raumtemperaturen müssen möglichst niedrig gehalten werden (ca. 12-15°C), dabei darf die Luftfeuchte nie für längere Zeit oder in allzu kurzen Intervallen über 55% steigen.
Schwarzweißfotografien können mit mindestens 42.000 lx/h und bis zu 84.000 lx/h je Jahr präsentiert werden. (z.B. 10 Stunden am Tag für 40 Wochen bei 100 lx -10•40•100=40000 lx/h). Vorraussetzung sind dabei immer ein ausreichender UV-Schutz entweder durch eine UV-Folie an den Fensterscheiben bzw. eine entsprechende Verglasung. Schutzverglasungen bieten zudem Sicherheit vor Vandalismus und Verschmutzung.
Wenn der Sammler von Fotografien die oben genannten Grundregeln beachtet, die durch das Wissen über fotografischen Prozesse, wie wir hoffen, nachzuvollziehbar geworden sind, kann er sich auch langfristig an seiner Sammlung erfreuen ohne kostspiele oder irreparabele Schäden zu riskieren.
In einer unserer folgenden Ausgaben des k3-artservices Newsletters erfahren Sie mehr zum Thema „Verfahren und Haltbarkeit von Farbfotografie“.