Ein Restaurierungsbericht von Felicitas Klein, Dipl.-Restauratorin, info@k3-artservices.de
Otto Piene, Feuerblume, 1963, 100 cm x 80 cm. Vor der Restaurierung Die Reinigung und Entfernung einer Übermalung in einem Gemäldes des Zero-Künstlers Otto Piene (*1928) stellt eine besondere Herausforderung an den Restaurator dar. Der Künstler setzt sich in seinem Werk mit Licht, Bewegung und Raum auseinander: alles nicht materielle Gestaltungsmittel, deren Vermittlung über das Medium der 2-dimensionale Malerei stattfindet.
Nachdem Otto Piene Ende der 50er Jahren mit Kerzen und Petroleumlampen Ruß- und Rauchbilder geschaffen hatte, entstanden Anfang der 60er Jahre seine ersten Feuerbilder. Er arbeitete hierfür mit einem Bunsenbrenner, dessen Flamme er auf die Bildfläche hielt und damit die Materialien in sehr charakteristischer Weise veränderte.
Nach der Restaurierung Auch das Gemälde „Feuerblume“, das 1963 entstanden ist, zeigt deutliche Bearbeitungsspuren des Feuers. Auf der grundierten Leinwand wurden in der Bildmitte kreisförmig Ölfarben aufgetragen und durch das Feuer Schwärzungen, Brandblasen und Rauchspuren in der Malschicht erzeugt.
Die Farbschichten variieren deshalb von stark deckend und krustig bis lasierend und transparent.
Um die Farbintensität zu verstärken, streute Piene ungebundene Pigmente in die noch nasse rote Farbfläche.
Analyse der Schäden
Die Restaurierung des Gemäldes wurde wegen seiner starken Verschmutzung und einer großflächigen Übermalung in der rechten Bildecke vorgenommen.
Leider ist nicht bekannt wie und wo es in den letzten Jahren aufbewahrt war, sonst könnten genauere Rückschlüsse zu der Alterungs- und Restauriergeschichte des Bildes gezogen werden.
Möglicherweise hing das Gemälde viele Jahre in einem Raum, in dem stark geraucht wurde, denn die Schmutzablagerungen liegen homogen wie ein grauer Schleier über der gesamten Bildfläche und den Zierrahmenleisten.
Üblicherweise verwendeten die Künstler in dieser Zeit keinen Firnis als Schlussüberzug ihrer Gemälde, deshalb kann sich Staub und jegliche Art von Luftverschmutzung gut auf den matten, meist etwas porösen ungefirnissten Gemäldeoberflächen absetzen. In Museen und gelegentlich in privaten Sammlungen werden deshalb besonders empfindliche Gemälde verglast (entspiegeltes Glas) oder mit Plexiglashauben gezeigt.
Übermalung in der unteren rechten Bildecke, nach der Oberflächenreinigung Erst bei genauer Inaugenscheinnahme des Gemäldes war zu sehen, dass die gesamte untere rechte Ecke, offenbar bei einer früheren Restaurierung, übermalt wurde.
Heutzutage werden in der Regel Farbaufträge durch den Restaurator auf Retuschen begrenzt, das heißt, dass ausschließlich die beschädigte Bildpartie davon betroffen ist und nicht großflächig die umliegende – originale - Malschicht übermalt wird.
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Berufsbild des Restaurators sehr verändert (mehr zu diesem Thema erfahren Sie in einem separaten k3-artservices Newsletter Artikel). Früher lag ein Schwerpunkt auf der handwerklich-künstlerischen Tätigkeit, heute steht die Erhaltung des originalen Kunstwerkes im Vordergrund, deshalb werden vor jeder Restaurierung die Schadensursachen untersucht. Neben optischen Hilfsmitteln, wie dem Mikroskop, können auch naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen. Die Restaurierungsmaßnahmen werden genau auf die Bildmaterialien und die Schäden an dem Kunstwerk abgestimmt.
Maßnahmen zur Restaurierung
Bei Otto Pienes Gemälde „Feuerblume“ wurde zunächst die Oberflächenverschmutzung abgenommen. Die Reinigung ging in mehreren Etappen von statten, da die tatsächliche Verschmutzung von den zum Original dazugehörenden Rauchspuren getrennt werden musste. Darüber hinaus reagiert die Malschicht stark auf Feuchtigkeit und verändert durch Reibung ihre matte Oberflächenbeschaffenheit. Den Anforderungen der sehr empfindlichen Bildmaterialien entsprechend, wurde die oberste Schmutzschicht mit einem wässrigen Reinigungsmittel entfernt, eine weitere Abnahme verlief dann mit Lösemitteln, die die Grundierungsschicht nicht anquellen können. Die Reinigungsmittel wurden mit einem sehr feinporigen, kleinen Schwamm aufgetragen und abgenommen, da fasrige Materialien, wie beispielsweise Watte, Reinigungsspuren auf der matten Malschicht hinterlassen würden.
Während der Abnahme der Übermalung, freigelegte Malschicht zeigt Verfärbungen Nach der Oberflächenreinigung war die Übermalung in der Bildecke als grauer Fleck deutlich sichtbar. Offensichtlich wurde eine Beschädigung des Gemäldes in diesem Bereich einfach mit dicker Farbe überstrichen.
Auch bei der Abnahme der Übermalung wurden Lösemittel mit Bedacht eingesetzt, um die darunter liegende originale Malschicht nicht zu beschädigen. Wenngleich die Übermalung leichte Veränderungen des originalen Oberflächenglanzes hervorgerufen hat, so ist die Farbigkeit und Struktur der Bildpartie gut erhalten. In einem wesentlich kleineren Bereich sind Verfärbungen bzw. Schmutzränder in der Malschicht zu sehen, die möglicherweise durch einen fehlgeschlagenen Reinigungsversuch entstanden sind.
Nach der Retusche Wie oben beschrieben, sind an dem Gemälde verschiedene spezifische Eigenschaften zu beobachten, hier kann die Verwendung des falschen Reinigungsmittels schnell zu irreparablen Schäden führen.
Die freigelegten fleckigen Bildpartien werden farblich der umliegenden Malschicht angeglichen. Retuschiert wird mit wasserlöslichen Farben, so dass eine Abnahme für das Original auch in späterer Zeit unproblematisch bleibt.
Grundsätzlich gilt für Materialien, die bei Restaurierungen eingesetzt werden, dass sie altersbeständig sind und ohne Beschädigung des Kunstwerkes entfernbar bleiben.