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Neue fotografische Verfahren

von Dr. Susanna C. Ott, Kunstwissenschaftlerin, info@k3-artservices.de

Stephanie Schneider: "Rada Shooting" 1999, 102 x 100 cm, Lamda Print (www.lumas.de)
Parallel zur sprunghaften Entwicklung der digitalen Fotografie haben sich in den vergangenen Jahren eine Vielzahl neuer digitaler Drucktechniken auf dem Kunstmarkt etabliert, über die nur wenig bekannt ist. Wie unterscheiden sich Lamda Prints, Iris Prints, Gicléeprints oder Inkjetprints von den klassischen Verfahren?

In Anknüpfung an frühere k3-artservices Newsletter, in denen bereits die etablierten Verfahren der Schwarzweiß- und Farbfotografie vorgestellt wurden („ Die Crux mit der Fotografie“ und „ Verfahren und Haltbarkeit in der zeitgenössischen Fotografie. Teil 1: Schwarzweissfotografie“), werden hier nun die wichtigsten neuen digitalen Verfahren vorgestellt.

ANALOG AUSBELICHTETE FOTOGRAFIEN

Klassische Farbabzüge wie Chromogenic Print, Coupler Print oder schlicht Colour Print, allgemein unter dem Begriff C-Print zusammengefasst, werden seit den 50er Jahren angewendet. Sie basieren auf dem sogenannten chromogenen Verfahren. Das Negativ wird zunächst mittels eines Vergrößerungsgerätes analog auf das Fotopapier übertragen. Farblose Kuppler in der Beschichtung des belichteten Papiers reagieren sodann im Kontakt mit dem Entwickler farbbildend (chromogen). Die auf diese Weise entstandenen Farbstoffe sind relativ empfindlich gegen Licht, Wärme, Feuchtigkeit und Schadstoffe. Obwohl die Materialien im Lauf der Zeit immer weiter verbessert wurden, sind selbst zeitgenössische C-Prints äußerst sensible Produkte. Auf die speziellen Anforderungen an ihre Aufbewahrung und Präsentation wurde bereits in dem Newsletter„ Verfahren und Haltbarkeit in der zeitgenössischen Fotografie. Teil 2: Farbfotografie“ eingegangen.

DIGITAL AUSBELICHTETE FOTOGRAFIEN

Seit einiger Zeit haben sich speziell für größere Farbabzüge Verfahren etabliert, die das Bild nicht mehr analog sondern digital mit Farblasern ausbelichten. Zu den bekanntesten gehören die sogenannten Lambda Prints, die etwa die Firma LUMAS für ihre Fotoeditionen verwendet. Lambda Chrome, Laserchrome®, LVT Prints oder Lightjet Prints basieren auf demselben Prinzip. Die jeweilige Bezeichung rührt von den Geräten her, die für die Ausbelichtung verwendet werden. So werden Lambda Prints auf Lambda Großformat-Belichtern der Firma Durst hergestellt, ein LVT Print auf einer Kodak-Maschine und ein Lightjet Print auf einem Lightjet 430 Laserprinter der Firma Cymbolic Sciences.
Lamda Printer
Der wesentliche Unterschied zum C-Print besteht bei diesen Verfahren darin, dass die digitale Vorlage für die Ausbelichtung im Vorfeld leicht am Computer bearbeitet werden.
Trotz der digitalen Belichtung handelt es sich jedoch bei allen diesen Verfahren um "normale" chromogene Farbabzüge auf dem gleichen Papier, auf dem auch C-Prints hergestellt werden (zum Beispiel Ilfochrome oder Kodak Endura). Sie unterliegen daher auch den gleichen Anfälligkeiten wie C-Prints.
Das Papier wird in Rollen eingespeist. Die mögliche Papiergröße variiert je nach Druckgerät. Ein Lambda Printer kann zum Beispiel Papierrollen von bis zu 127 cm Breite und 80 m Länge verarbeiten, wobei die Belichtung kontinuierlich ohne Papierverlust erfolgt.

Inkjetdrucke

Die seit den 90er Jahren gebräuchlichen Inkjetdrucke gehören zu den sogenannten Non-Impact-Verfahren, das heißt, sie gehen berührungslos vonstatten. Das Bild wird aus mikroskopisch kleinen Tintentröpfchen zusammengesetzt, die das Druckgerät auf den Bildträger "schießt". Die Übertragung wird entweder durch Wärme (TIJ oder Bubble Jet Printer, wie sie HP und Canon herstellen) oder auf elektrischem Weg durch die von Epson patentierte sogenannte Piezo-Technik ausgelöst.
Iris Printer
Inkjetdrucke werden computergesteuert hergestellt und basieren auf digitalen Vorlagen, die ebenso wie digital ausbelichtete Fotografien im Vorfeld am Computer bearbeitet werden können. Aufgrund der sehr hohen Auflösung ist eine Rasterung – wenn überhaupt – nur unter dem Mikroskop erkennbar. Inkjetprints sind auf einer großen Bandbreite von Trägermaterialien möglich, zum Beispiel auf Stoffen, archivfestem Papier wie etwa Büttenpapier oder auf fotoähnlichen Papieren. Das maximale Papierformat hängt von der Größe des verwendeten Druckgerätes ab.
Roni Horn: "Dead Owl", 1997, iris print on Somerset heavy weight paper, 29 x 29 in., 74 x 74 cm
Zu den hochwertigsten Tintendruckverfahren zählen die sogenannten Giclée Prints. Sie ermöglichen neben einer extrem hohen Auflösung das Bedrucken traditioneller Künstler- oder Büttenpapiere und setzen seit etwa zehn Jahren den Standard für Inkjet Prints im Kunstbereich. Der Name leitet sich vom französischen Verb gicler ab (kräftig sprühen). Es handelt sich um eine spezielle Form des kontinuierlichen Tintenstrahldruckes.

Eine Untergruppe stellen Iris Prints dar, die nach einem Ende der 70er Jahre entwickelten Drucker der Firma Iris Graphics in Bedford, USA benannt sind. Durch die Verwendung wasserlöslicher Farbtinten (Dye-Tinten) sind Iris- und Gicléeprints besonders licht- und feuchtigkeitsempfindlich, ähnlich wie Aquarelle

Als Pigment Prints werden schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts alle pigmentbasierten Druckverfahren bezeichnet. In der zeitgenössischen Fotografie wird die Bezeichnung Pigment Print für Inkjetdrucke verwendet, die statt mit wasserlöslichen Tinten mit Pigmenten arbeiten. Pigmentpartikel sind erheblich größer als wasserlösliche Dye-Moleküle. Da sie das Licht diffuser reflektieren wirken Pigmentdrucke häufig matter und gedeckter als Dye Prints.

Während das maximale Papierformat bei Iris Prints 84 x 117 cm beträgt, können Piezo-Pigmentdrucker Papierrollen von bis zu 111cm Breite und nahezu beliebiger Länge bedrucken.

Haltbarkeit von Inkjetprints

Digital auf Fotopapier ausbelichtete Fotografien wie etwa Lambda Prints unterliegen im Hinblick auf ihre Haltbarkeit den gleichen Problemen wie normale C-Prints. Die für Inkjetprints verwendeten Farben sind hingegen kaum lichtempfindlich. Pigmente übertreffen hier die wasserlöslichen Tinten noch im Hinblick auf ihre Resistenz gegenüber Feuchtigkeit, Licht und Schadstoffen.

Die Lichtbeständigkeit von Inkjetprints hängt jedoch auch wesentlich von der Wahl des Trägermateriales ab. Neben der Frage nach den Eigenschaften des verwendeten Papiers (beschichtet oder unbeschichtet) ist auch die Oberflächenbehandlung des Druckes von Bedeutung.

Während Fotopapiere zur Zeit noch so gut wie nicht restaurierbar sind - ein Knick im Trägermaterial stellt einen irreparablen Schaden dar – kommen für einen Inkjetdruck auf Papier unter Umständen herkömmliche Methoden der Papierrestaurierung in Frage.

Die Kombination all dieser Faktoren bestimmt die Haltbarkeit der Fotografie. Nicht zuletzt ist auch die Zusammensetzung der Tinten und Papiere selbst zu nennen, die sich aufgrund der technischen Entwicklung permanent verändern. Aufgrund der großen Menge unterschiedlicher Materialien sind pauschale Aussagen zur Haltbarkeit von Inkjetdrucken daher kaum möglich. Sie können je nach verwendetem Material, Lichtintensität, Feuchtigkeit und Temperatur von wenigen Jahren bis zu über hundert Jahren variieren. Der amerikanische Fotohistoriker Henry Wilhelm untersucht seit 1993 die Haltbarkeit von Farbfotografien und veröffentlicht auf seiner Webseite www.wilhelm-research.com regelmäßig aktualisierte Daten, die Anhaltspunkte für bestimmte Materialkombinationen geben können.

Zum Schutz und zur Präsentation der empfindlichen Fotografien wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Möglichkeiten der Rahmung und Kaschierung entwickelt wie UV-Schutzfolien oder das sogenannte Diasec® -Verfahren. Diese ihrerseits im Hinblick auf die Koservierung oft nicht unproblematischen Techniken wurden bereits in unserem Beitrag „ Finishing: Dibond, Diasec & Co“ beschrieben.