Von Lars Klemm, Dipl.-Restaurator (Lager- und Depotverwaltung), info@k3-artservices.de
Für die Konzeption eines Kulturgutdepots oder Archives - egal ob es sich um einen Umbau oder einen Neubau handelt - ist die Erstellung eines Mengengerüstes eine elementare Grundlagenbasis. Mengengerüste definieren die technischen Grunddaten einer Depotkonzeption. Sie weisen Art (Qualität - z.B. Raumhöhen, Raumzuschnitt, Klima, Kunstlicht, Sicherheit, Lagertechnik) und Anzahl (Quantität - Grundflächenbedarf) der für die Durchführung des Vorhabens erforderlichen Mittel aus. Ein solides Mengengerüst bildet somit die Ausgangsbasis einer Kalkulation, indem sie die wertmäßige Quantifizierung der Kosten darstellt.
Abb. 1: Fehlerhaft konzipiertes Lagersystem für die Exponatart und Exponatmenge Das Ziel einer solchen Erhebung ist es erstens Objektart und Objektmenge differenziert, monothematisch zu erfassen; zweitens Aussagen über die aktuelle Platzbelegung zu erstellen und drittens zu ermitteln, wie viel Platz die Objekte bei optimierter Lagerung in einem neuen Depot belegen sollten. Durch die Koordinierung von Exponatmenge, Lagereinheit und Lagersystem lassen sich mit einem gutem Mengengerüst Fehler wie auf Abbildung 1 vermeiden. Hier wurde ein für die Lagerung von Textilschachteln ungeeignetes Fachbodenregal konzipiert. Deutlich ist zusehen wie sich die Fachböden unter der Last biegen.
Sammlungsbezogenen Depoträume
Abb. 2: Stützenfreier Depotraum mit flacher Gemäldezuganlage Für die Depotplanung erlaubt das Mengengerüst dem Nutzer Raumzuschnitte für ideale, sammlungsbezogene Depoträume zu erstellen, die der Architekt in die Baukonzeption miteinbeziehen kann und die dem Hersteller von Lagertechnik als Basis für eine Angebotserstellung dienen. Wird durch ein Mengengerüst beispielsweise eine Gemäldesammlung erfasst, die fast ausschließlich aus kleinen oder mittleren Formaten besteht, lassen sich durch Architektur und Lagertechnik wie auf Abbildung 2 zu sehen stützenfreie Depoträume entwerfen, die mit einer ca. 3 m hohen Gemäldezuganlage an den Unterzügen arretiert wird.
Abb. 3: Platzoptimierung durch fahrbare Regalanlage für Gemälde Andererseits lässt das Mengengerüst bei bestehenden Depoträumen auch Rückschlüsse auf eine platzoptimierende Lagerung zu. Abbildung 3 zeigt eine riesige fahrbare Gitter-Regalanlage, die einen großen und hohen Depotraum sinnvoll bespielt und eine gesamte Gemäldesammlung fasst.
Informationsgewinn aufgrund des Mengengerüstes
Die Zielvorgaben bei der Erstellung von Mengengerüsten können sehr unterschiedlich ausfallen. Prinzipiell lassen sich mit dem Mengengerüst folgende Angaben erheben:
- Exponatart und Exponatmenge
- aktuelle Exponatlagerung (Lagertechnik, Lagerdichte)
- Lagerlogistik (Vor- und Nachteile der aktuellen Standortverwaltung, Sammlungsinventarisierung)
- ideale Exponatlagerung (Dekomprimierung/Komprimierung; Verdichtung/Entzerrung)
- Aussagen zur Platzoptimierungen
Die Erhebung eines Mengengerüstes sollte dabei mit folgenden Aussagen gekoppelt werden:
- Aussagen zum Zustand (Transportfähigkeit)
- Verpackungsbedarf der Exponate
- Schädlingsmonitorring
Abb. 4: Graphikregal Durch das Zusammentragen derartiger Informationen kann der Aufwand für die
Bereitstellung, Verpackung, Transport und Einlagerung der Exponate sehr gut abschätzen werden, wodurch verlässliche Kostenkalkulationen möglich sind.
Mit Mengengerüsterstellungen kann auch mit einer Zustandserfassung kombiniert
werden. Ein anwendbares effektives Verfahren zur Zustandserfassungen großer
Sammlungen erfolgt mittels Stichproben. Eine solche Methode der Benennbarkeit des Konservierungsbedarfs bei großen Sammlungen erlaubt aber nur eingeschränkt verlässliche Rückschlüsse auf einen notwendigen Restaurierungsbedarf.
Mehr zum Thema Depotplanung und optimierte Lagerhaltung erfahren sie bei uns unter: www.k3-depotkonzept.de.