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Das Licht - die unsichtbare Gefahr

von Lars Klemm, Dipl. Restaurator, (Lager- und Depotverwaltung) info@k3-artservices.de

Würde eine Liste der größten Gefahren für Kunstwerke erstellt werden, das Licht hätte sehr gute Chancen auf den ersten Platz. Sicherlich kommen auch andere Risikofaktoren wie Feuer, Luftfeuchtigkeit, Temperatur und nicht zuletzt der Mensch in Frage, aber diese lassen sich mit einem bestimmten Aufwand kontrollieren. Licht ist unverzichtbar um Kunst zu genießen. So kommt der Frage der Lichtkonzeption in der Ausstellungsplanung eine große Bedeutung zu. Nicht umsonst stellt bei Museumsneubauten der Beleuchtungsplanung neben Fragen der Sicherheit, der Klimaplanung und Raumplanung eine der wichtigsten Komponenten dar.
Eine differenzierte Beleuchtung dient zur gleichmäßigen oder fokussierten Belichtung von Galerien oder Ausstellungsräumen. Mit dem Kunstlicht innerhalb eines Raumes kann man je nach technischer Ausstattung verschiedene Lichtsituationen erzeugen, zusätzlich kann man Tageslicht in das Konzept integrieren. Da Tageslicht aber nicht konstant ist stellt es immer eine vage und zudem unberechenbare Komponente dar.
Gut ausgeleuchtete Galerien arbeiten mit Tageslicht, das durch Deckenöffnungen eingelassen wird und ergänzen die Ausleuchtung der hängenden Bilder durch wenige innere Lampen. Ein fundiertes Beleuchtungskonzept soll aber nicht nur pauschal Lichtschäden vermeiden, sondern auch die Helligkeitsverteilung, die Farbwiedergabe und Lichtfarbe der Lampe, die Lichtrichtung und die Schattenbildung sowie das Beleuchtungsniveau definieren.

Licht wird jedoch überall gebraucht wo der Mensch sich mit Kunst beschäftigt. Gleichzeitig enthält es ein für Kunstwerke sehr hohes und gefährliches Schadenspotential: energiereiche Photonen und Wärme. Ein Ignorieren dieser Gefahrenquelle kann für die Kunstwerke fatale Folgen haben. Dabei reagiert jedes Material, aus dem das Kunstwerk besteht, unterschiedlich auf Beleuchtung: Farbstoffe reagieren anders als Pigmente, Hölzer anders als Papier oder Textilien. Zudem können Faktoren wie Luftfeuchtigkeit oder Temperatur den Schadensprozess beschleunigen oder verlangsamen.
Als Sammler oder Kurator sollte man sich immer bewusst sein, dass Lichtschäden irreversibel, also nicht rückgängig gemacht werden können, und kumulativ sind, das bedeutet ein Gemälde für 3 Stunden 500 Lx auszusetzen hat den gleichen Effekt wie 500 Stunden bei nur 3 Lx.

Was ist Licht?

Licht wird als der sichtbare Bereich der elektromagnetischen Strahlung verstanden, der vom menschlichen Auge wahrgenommen werden kann. Um über den schädigenden Einfluss von Licht auf Kunstwerke zu sprechen ist es aber notwendig, das gesamte elektromagnetische Wellenspektrum zu betrachten. Das für den Menschen sichtbare Licht beschränkt sich auf den - im Vergleich zum Gesamtspektrum - winzigen Ausschnitt von 380 bis 780 Nanometer (nm). Den angrenzenden „unsichtbaren“ Spektren kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Unterhalb von 380 nm beginnt die Ultraviolette Strahlung (UV) und oberhalb von 780 nm die Infrarote Strahlung (IR).
Physikalisch wird Licht als Energie in Form von elektromagnetischen Wellen definiert, ebenso wie Mikrowellen, Röntgenstrahlung und Radiowellen. Dabei gilt: je kurzwelliger die Strahlung ist umso energiereicher ist sie auch
Licht ist also Energie in Form von elektromagnetischen Wellen. Fällt Licht auf eine Materialoberfläche, so wird es zu einem bestimmten Teil absorbiert und zu einem bestimmten Teil remittiert (also zurückgesendet und somit für das Auge sichtbar). Die eintretenden Wechselwirkungen des absorbierten und remittierten Lichtes auf dem beleuchteten Material sind dabei von dessen spektraler Empfindlichkeit abhängig.
Die absorbierte Lichtenergie führt zur Energieanreicherung und kann photochemische Reaktionen auslösen, die zur Schädigung führen. Die gefährlichste kurzwellige und energiereiche Strahlung ist die UV-Strahlung. Diese wird noch einmal in die Bereiche UV-A (380 – 315 nm), UV-B (315 – 280 nm) und dem gefährlichstem UV-C (280 – 100 nm) unterschieden.
Für die Erwärmung der Kunstwerke zeichnet sich die Infrarotstrahlung verantwortlich, auch sie wird noch einmal in die nahe (770 – 1400 nm) und ferne (1400 – 10.000 nm) Infrarotstrahlung unterschieden.


Die Schadenswirkung von Licht

Alle Lichtschäden sind nicht reversibel, eine einmal erfolgte Schädigung kann nicht rückgängig gemacht oder regeneriert werden. Im Gegenteil: weitere Schäden, sollten diese auftreten, addieren sich zum ersten Schadensbild hinzu.
Nach den beiden dargestellten Hauptkomponenten für Lichtschäden, der UV-Strahlung und er IR-Strahlung, kann man Lichtschäden in photochemische Lichtschäden und Schäden, die aus der Oberflächen-Temperaturerhöhung resultieren unterscheiden.
Photochemische Reaktionen sind chemische Reaktionen, die durch absorbierte Lichtenergie ausgelöst werden. Vereinfacht dargestellt wird ab einer bestimmten Bestrahlungsdauer und Intensität die Aktivierungsenergie für die photochemische Reaktion eines Moleküls erreicht, in dessen Folge es zur Spaltung der Molekülbindungen kommt. Werden durch die Molekülspaltung auch Radikale freigesetzt, kann es zu chemischen Kettenreaktionen kommen (durch die Reaktion von Radikalen mit Luftsauerstoff entsteht ein Peroxyd).
Das Ausmaß der Schäden hängt direkt mit der auftreffenden Lichtmenge und der Dauer zusammen. Dies wird als Beleuchtungsstärke (Lx) und Beleuchtungsdauer (h) bezeichnet, daher wird im musealen Kontext die jährliche Lichtmenge für Kunstwerke in Lx/h angegeben.
Die schädigende Wirkung von IR-Strahlung liegt in ihrer Eigenschaft begründet, die Oberfläche der Kunstwerke zu erwärmen. Das Kunstwerk kann durch die Erwärmung direkt geschädigt werden (Spannungsrisse in der Oberfläche) oder indirekt. So können verglaste Aquarelle durch das Erhitzen der Glasscheibe und das daraus resultierende Mikroklima hinter der Scheibe z.B. durch Schwitzwasser gefährdet werden.

Schadensbilder und Gefährdungspotential

Licht ist eine Energieeintrag auf ein Material (Kunstwerk), diese Energie führt zu photochemischen Reaktionen, z.B. Aufspaltung von Bindungen, Säurebildung, Photooxidation oder Temperaturerhöhung der Oberfläche. Durch die unterschiedliche Lichtbelastung und die unterschiedliche spektr. Empfindlichkeit der Materialien liegt auch ein großes Spektrum an Schadenbildern durch Licht vor.
Zu den häufigsten Schadensbildern, die aus photochemischen Reaktionen resultieren, zählen so genannte Farbverschiebungen wie Vergilbungen und Ausbleichungen. Zudem kommt es in den meisten Fällen durch das Entstehen von Säuren zum Materialzerfall, besonders bei Papier.
Insbesondere einige Farbstoffe und Pigmente sind unter hoher Lichtbelastung nur mäßig oder wenig beständig (organische Farbstoffe, Chromrot, Smalte, Magenta). Zudem sind Farbstoffe und Pigmente dort am stärksten gefährdet, wo sie dünn, lasierend oder feinteilig angewandt wurden (in Aquarellen, Pastellen und Fotografien).

Dennoch gibt es konservatorische Lösungen, um Licht und Lichtquellen so einzusetzen, dass der Grad der Schädigung deutlich minimiert wird. Denn damit Kunst gesehen werden kann, braucht man Licht. Es geht dabei um einen verantwortungsvollen Umgang.