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Holzobjekte - eine delikate Angelegenheit

Wissenswertes über den Umgang mit Holz

Von Eleonore v. Schoenaich-Carolath, Diplomrestauratorin (FH), info@k3-artservices.de

Baroker Holzschrank
Ob Möbel oder Holzskulpturen: Der richtige Umgang mit Kunstobjekten aus Holz ergibt sich aus dem Wissen über das Material. Die Tatsache, dass Holz organisch ist, erhöht nicht nur den Liebhaberwert, sondern auch die Anfälligkeit für Schäden unterschiedlichster Art. Im Folgenden werden daher nicht nur die physikalischen und chemischen Besonderheiten von Holz skizziert, sondern besonders auch auf die Möglichkeiten der Schadensvermeidung hingewiesen.

Warum spricht man vom „Arbeiten“ des Holzes?

Die Hauptbestandteile von Holz sind Cellulose und Lignin. Gemeinsam sind diese Stoffe durch ihren chemischen Aufbau und ihre physikalischen Eigenschaften für die Stabilität des Holzes verantwortlich. Zudem treten im Holz Nebenbestandteile (hauptsächlich Extraktstoffe) auf. Diese machen die essentiellen holzartenspezifischen Eigenschaften aus und bestimmen die chemischen Eigenschaften wie z.B. die jeweilige Haltbarkeit oder auch Bearbeitbarkeit. Zu ihnen zählen z.B. Harze, Pflanzengummen, Gerbstoffe, Farbstoffe und ätherischen Öle.
Schichtenfolge auf Holztafelbildern und Holzskulpturen
Die physikalischen Eigenschaften des Holzes werden von der speziellen Architektur der Holzarten bestimmt. Aufgrund des Molekülaufbaus der Celluloseeinheiten (Wasserstoffbrücken) lagert sich auch Wasser an. Dieses bestimmt zusammen mit der Kapillarporigkeit (das Verhalten von Flüssigkeiten in engen Röhren) die hygroskopische Eigenschaft des Materials, also die Fähigkeit Luftfeuchtigkeit aufzunehmen und an sich zu binden.
"Ruhezustand" bei 65% rel. Luftfeuchte mit Ausbildung eines Krakelurnetzes
Holz kann demzufolge - beeinflusst von der Umgebungsfeuchte - Wasser absorbieren oder abgeben. Bei klimatischen Veränderungen, in erster Linie Feuchteschwankungen, quillt (dehnt sich aus) oder schwindet (zieht sich zusammen) Holz. Man sagt landläufig es „arbeitet“. Das „Arbeiten“ des Holzes ist übrigens unabhängig von seinem Alter.
Erhöhung der rel. Luftfeuchte auf 90%. Das Volumen des Bildträgers vergrößert sich und die Krakelurrisse erweitern sich.
Grundsätzlich muss das Quellen und Schwinden des Holzes keine großen Schäden mit sich bringen. Schäden treten letztendlich meist konstruktionsbedingt auf. Das haben auch die frühen Meister der Schreinerkunst entdeckt. So hat sich zum Beispiel aus der frühen Brettbauweise (z.B. Möbel aus massiven Brettern und einfachen Verbindungen) nach und nach die Rahmenbauweise (Verwendung von Hölzern mit kleineren Abmessungen und günstigen Verbindungen) mit Füllungen entwickelt. Skulpturen wurden teilweise ausgehölt, weil das massive Holz (vor allem wenn es noch den Kern eines Baumstammes aufweist) mehr Spannungen verursacht.
Abnahme der rel. Luftfeuchte auf 30%. Es verringert sich das Volumen des Bildträgers und die Farbschicht und Grundierung hebt sich vom Bildträger.
Holz ist zudem anisotrop, kann also unter gleichen Bedingungen unterschiedliche Wachstumsrichtungen annehmen. Das bedeutet, dass es sich je nach Schnittrichtung (tangential= entlang der Jahrringe, radial= senkrecht zu den Jahrringen oder längs = entlang der Holzfasern) unterschiedlich verhält. Das hat letztendlich auch zur Folge, dass die ursprüngliche Form eines Holzstückes auch nach Feuchteausgleich nicht mehr 100%ig wiederhergestellt werden kann. Risse können daher niemals wieder ganz geschlossen werden.

Schäden vermeiden (Präventive Konservierung)

Immer mehr Museen richten Stellen für Restauratoren ein, die sich ausschließlich mit der präventiven Konservierung befassen.
Aber auch Privatsammler sollten einige Grundsätze beachten, die im Vorfeld Schäden verhindern können und eine lange Freude an den Schätzen sichern:

• Nachdem das „Arbeiten“ des Holzes stark von der Umgebungsfeuchte abhängt, müssen Holzobjekte (egal ob z.B. Tafelbilder, gefasste und ungefasste Skulpturen oder Möbel) in einem gleichmäßigen Klima aufgestellt oder gehängt werden. (50 – 55 % relative Luftfeuchte bei einer Temperatur zwischen 18 u. 22°C)

• Das Klima sollte regelmäßig überprüft werden und stabil gehalten werden. Hierzu können Luftbefeuchter und –entfeuchter dienen. Zunächst muss jedoch das allgemeine Raumklima analysiert werden unter Berücksichtung der Besonderheiten des jeweiligen Raumes (Wände, Böden etc.). Fußbodenheizungen erzeugen übrigens ein extrem trockenes Raumklima.

• Kleinere und kurzzeitige Klimaschwankungen gefährden Möbel eigentlich nicht, können bei empfindlichen gefassten Objekten aber bereits zu Schäden führen. Daher benötigen sie besondere Aufmerksamkeit bei einem Transport oder Ortswechsel.

Falls dennoch Schäden entstehen

Riss an der Füllung einer barocken Schranktüre
Durch das Schwundverhalten des Holzes können sich Risse bilden. Die Spannungen, die zwischen Trägermaterial und z.B. Furnier oder Fassungen auftreten, führen längerfristig zu Ablösungen. Solche Schäden sollten nach Möglichkeit baldmöglichst von sachkundiger Hand behoben werden, damit es nicht zu größeren Verlusten kommt.
Der Riss wird mit Balsaholz ausgespänt, unter Niveau gearbeitet und verkittet.
Fallen z.B. Furnierstücke ab, dann sollten diese sorgfältig aufbewahrt werden. Es ist davon abzuraten, die Hölzer mit handelsüblichen Klebern selbst anzukleben. Der geschulte Restaurator kann die gesammelten originalen Stücke mit geeigneten Materialien wieder befestigen ohne weitere Schäden zu verursachen.
Die Kittung wird anhand der Holzrichtung retuschiert.
Unter Berücksichtigung dieser Faktoren können Sie viel zum Erhalt der Schönheit und des Wertes Ihrer Holzobjekte beitragen.