Von Lars Klemm, Dipl.-Restaurator (Lager- und Depotverwaltung), info@k3-artservices.de
In unserem vorangegangenen k3-artservices Newsletter zu diesem Thema wurde die Schwarzweißfotografie kurz charakterisiert und Tipps für die praktische Handhabung gegeben. Im Folgenden finden Sie nun entsprechende Informationen für den Umgang mit Farbfotografie - eines der empfindlichsten Materialien in der zeitgenössischen Kunst.
Farbfotografische Verfahren
Bei allen Verfahren in der Farbfotografie besteht die Bildsubstanz aus organischen Farbstoffen. Zeitgenössische analoge Farbfotografien werden vor allem nach vier verschiedenen Verfahren hergestellt, von denen das der farbgebenden, chromogenen Entwicklung am meisten Verbreitung findet.
Das einfallende Licht muss in der Farbfotografie bei der Belichtung nacheinander ein bis drei Filterschichten passieren, die die Komplementärfarbe absorbieren. Die erste Schicht ist Gelb (blauabsorbierend), die zweite Purpur (grünabsorbierend) und die dritte Blaugrün (rotabsorbierend). Um zum Beispiel ein Rot zu erhalten, muß das Licht durch die Filter Gelb und Purpur. Bei Schwarz (laut der substraktiven Farbzusammensetzung) müssen alle drei Filter wirksam sein. Alle drei Schichten enthalten spektral sensibilisierte Silberhalogenide, die auch zentraler Bestandteil der Schwarzweißfotografie sind.
Rineke Dijkstra, Hel, Poland August 12, 1998, Chromogenic Coupler Print Die Verarbeitung des belichteten Materials (Film oder Papier) beginnt mit der schwarz-weiß Entwicklung. Bei der Erzeugung der Farbstoffe werden im chromogenen Verfahren die Farbstoffe durch die chemische Reaktion zwischen dem oxidierten Entwickler (der zuvor das Silberhalogenid zu Silber reduziert hat) und der Kupplungskomponente aufgebaut. Diese ist entweder in der Gelatineschicht eingelagert oder mit dem Entwickler extern dazu geführt worden. Die entstehenden Farbstoffe sind im allgemeinen Azomethine. Die Bezeichnung C-Print (chromogenic coupler print) wird dabei häufig als Synonym für Fotoarbeiten verwendet, die nach diesem Verfahren hergestellt werden.
Anna Gaskell, Untitled #49, 1999, Cibachrome Print Beim chromolytischen Verfahren sind die Farbstoffe bereits in den Schichten eingelagert und werden durch die Verarbeitung gebleicht und zerstört. Es handelt sich dabei um Azofarbstoffe, die durch das freigesetzte Silber reduziert werden. Das Verfahren wird auch Silberbleichverfahren genannt (Cibachrom). Sowohl beim chromogenen als auch beim chromolytischen Verfahren müssen die Silberreste entfernt und fixiert werden. Daraufhin entstehen die Einzelbilder aus jeweils drei übereinander liegenden Farben in Cyan, Magenta und Gelb.
Ein weiteres, weit verbreitetes Verfahren ist das Farbdiffusionsverfahren, auch als Sofortbildfotografie bekannt. Das von Polaroid entwickelte Verfahren besteht aus einem so genannten Polacolorsystem: einem 8-Schichten-Fotomaterial und einem dreischichtigen Empfangsmaterial. Nach dem Belichten werden beiden Lagen zusammengepresst, wobei ein alkalischer Entwickler zwischen die beiden Lagen läuft. Die mit dieser Lösung entwickelten Farbstoffe dringen aus dem 8-Schichten-Fotomaterial in das 3-Schichten Positiv.
Ein seltenes, aber überaus schönes, da farbintensives Verfahren zu Herstellung von Fotografien ist das Farbübertragungsverfahren oder Dye Transfer Verfahren. Dabei werden die Farbstoffe (hier als Farbtinten) in drei Matrixfilmen (je ein Blaugrüner, ein Gelber und einer aus Purpur) übereinander auf ein Gelatinepapier aufgetragen und in der Gelatineschicht fixiert.
William Eggleston, Greenwood Mississipi, 1973, Dye Transfer Print Das Dye Transfer Verfahren wurde etwa um 1935 von Kodak etabliert und bietet die Möglichkeit, Farbintensitäten und Farbkontrast subtil zu beeinflußen. Dadurch liegen hier wesentlich mehr Zwischentöne vor als beim C-Print, außerdem wirken die Farben satter und kontrastreicher, daher wurde das Verfahren häufig bei der Reproduktion von Gemälden verwendet. Der wohl größte Vorteil den dieses Verfahren bietet, ist die durch die verwendeten Farbtinten gegebene hohe Lichtbeständigkeit.
Haltbarkeit von Farbfotografien
Man unterscheidet bei Farbfotografien zwischen der Dunkellagerfähigkeit und der Lichtbeständigkeit. Denn auch wenn die Lichteinwirkung die eigentliche Gefahr für die Fotografie darstellt, so stoppt der Alterungsprozeß auch in vollkommener Dunnkelheit nicht. Dabei erreichen heutige, moderne Farbmaterialien im Dunkeln bessere Haltbarkeitswerte als früher verwendete. Verbessert sich die Lichtbeständigkeit der Papiere, so wie bei den konventionellen Farbpapiere der letzten Jahren gegenüber den Papieren der späten 70er Jahre (z.B. Agfa Typ 4) so erhöht sich auch ihre Dunkellagerfähigkeit. Inzwischen übertrifft die neueste Generation (wie z.B. das Fujicolor-FA3-Papier) im Licht sogar Ilfochrome- (früher Cibachrom) und Kodak-Dye-Transfer-Abzüge.
Dennoch stellt bis auf die modernen Pigmentdrucke für alle anderen Verfahren, mit denen Farbfotos zu Papier gebracht werden können, das Licht die größte Bedrohung dar.
Beeinträchtigt wird die Haltbarkeit von fotografischen Negativen und Diapositiven auch durch die Instabilität des verwendeten Trägermaterials. Neuere Filmmaterialien, wie Zellulosedi- oder –triazetat, beginnen schon kurz nach der Herstellung einen langsamen Abbauprozess, indem sie Essigsäure freisetzen und schrumpfen (Vinegar-Syndrom). Lediglich Polyester kann aufgrund der hohen mechanischen und chemischen Stabilität als archivfest bezeichnet werden.
Aufbewahrung
Für die Lagerung der Farbfotografien gilt das gleiche wie für die Schwarzweißfotografie. Sie sollte separat in Silversafepaper und faltbaren Archivschachteln aus Karton gelagert werden. Die Raumtemperaturen müssen möglichst niedrig gehalten werden (ca. 12-15°C), dabei darf die Luftfeuchte selbstverständlich nie für längere Zeit oder in allzu kurzen Intervallen über 55 % steigen.
Präsentation
Farbfotografien gehören zu der empfindlichsten Kategorie von Fotografien. Alle Farbfotografien die nach dem Verfahren der chromogenen Entwicklung hergestellt wurden, sollte eine Belichtungsdauer von maximal 12.000 lx/h je Jahr nicht übersteigen, d.h. eine Fotografie kann beispielsweise 40 Stunden pro Woche für 3 Wochen bei einer Beleuchtung von 100 Lux gezeigt werden (3x40x100=12.000). Dies liegt an der besonderen Empfindlichkeit der organischen Farbstoffe Azomethine.
Farbfotografie mit Farbausbleich Die Aktivierungsenergie, die zum Ausbleichen dieser Farbstoffe aufgebracht werden muss (z.B. durch Belichtungsenergie), ist deutlich geringer als bei anderen Farbstoffen. Für die Fotos aus den anderen Herstellungsverfahren kann eine Belichtungsdauer von 42.000 lx/h je Jahr anvisiert werden. Bei der Beleuchtung muss ein geeigneter UV-Schutz (z.B. durch UV-Filter im Fensterglas oder der Rahmungsverglasung, bzw. UV-reduziertes Kunstlicht) mit einkalkuliert werden, ansonsten ist die Gefahr einer Schädigung der Bilder ungleich größer.
Farbfotografie ohne Farbausbleich Die Ausstellungsräume, in denen Farbfotografien präsentiert werden sollen, müssen für den Betrachter einen visuellen Komfort bieten - trotz aller Einschränkungen in Bezug auf die Strahlungsleistung und die Beleuchtungsstärke der Lichtquellen. Das Minimum an Beleuchtungsstärke sollte daher dem menschlichen Komfort von ca. 50 lx angepasst werden.
Da Fotografien schmal und flach sind kann eine vertikale Beleuchtung der Werke im Winkel zwischen 15° und 40° zur Wandfläche angestrebt werden, um die Betrachtung der Fotografie reflexionsfrei zu gewährleisten. Die Farbe der Präsentationswände, unabhängig ob Schwarzweißfotografien oder Farbfotografien gezeigt werden, sollte generell neutral und in einer schwach deckenden Farbe mit einem Reflektionsfaktor von einfallendem und reflektierendem Licht nahe dem Faktor 0,5 liegen, um eine Ablenkkung durch die Wände zu vermeiden.
Um das Risiko von Vandalismus zu minimieren ist eine Präsentation der Arbeiten hinter
Schutzverglasungen angebracht. Beim
Raumklima ist in Bezug auf die Konservierung der Kunstwerke und dem Komfort des Besuchers ein rel. Luftfeuchtigkeit zwischen minimal 30% und maximal 50% bei einer Temperatur von 20°C ± 2°C einzustellen.
Bitte beachten Sie auch unsere bereits erschienenen Artikel zum Thema Fotografie:
Verfahren und Haltbarkeit von Schwarzweißfotografie sowie
Die Crux mit der Fotografie: Über den Umgang mit der materiellen Empfindlichkeit.