Von Lars Klemm, Dipl.-Restaurator (Lager- und Depotverwaltung), info@k3-artservices.de
Fotografien werden heute in öffentlichen und privaten Sammlungen der unterschiedlichsten Ausrichtung und Funktion gesammelt und bewahrt. Als künstlerische und zeitgeschichtliche Dokumente bieten sie Sammlern und Liebhabern ein nahezu unerschöpfliches Feld.
Eugène Atget, Porte de Versailles, 1910 (Ausschnitt) In Deutschland hat sich diese besondere Kunstgattung erst spät etabliert und fand so vor etwa 20 Jahren die Akzeptanz, welche der Fotografie im angelsächsischen Kulturraum schon viel früher entgegengebracht wurde. Die Aufwertung zeigt sich deutlich in den Preisen auf dem Kunstmarkt, die heute für hochkarätige Fotografien von Sammlern und Museen gezahlt werden.
Mit dieser zu Recht gesteigerten Wertschätzung wächst aber auch die Notwendigkeit der konservatorischen Pflege von Fotografien. Leider jedoch gehören die Fotografien zu den am meisten gefährdeten und empfindlichsten Kunstwerken in der zeitgenössischen Kunst.
Viele der Materialien, aus denen Fotografien aufgebaut sind – Silber, Farbstoffe, Trägermaterial und Bindemittel - sind instabil und können durch verschiedenste Umwelteinflüsse wie Licht, Feuchtigkeit, Wärme oder Chemikalien angegriffen oder zerstört werden.
Ausschlaggebend für die Haltbarkeit einer Fotografie ist zum einen ihre Herstellungsweise und zum anderen die Art und Weise ihrer Präsentation und Aufbewahrung.
Die Herstellungsweise
Am stabilsten sind Schwarzweißfotografien, da in ihnen nur lichtempfindliche Silbersalze vorliegen. Von den verschiedenen Arten Farbfotografien zu erstellen, sind das Silberbleichverfahren (Cibachrome) und das Farbübertragungsverfahren (Dye Transfer) den anderen farbfotografischen Entwicklungen, wie dem C-Print (chromogenic coupler print), was die Haltbarkeit betrifft, überlegen. (Ausführlicher werden diese fotografischen Verfahren in unseren kommenden k3-artservices Newslettern behandelt.)
Durch das Wissen und die Wahl der Herstellungsweise und somit materiellen Qualität der Fotografie kann bereits ein erstes Moment für die zukünftige Haltbarkeit kompensiert werden, was auch vielen Künstlern bewusst ist.
Bei dem Erwerb von Farbfotografien sind Cibachrome (ältere Bezeichnungen: Ilfochrome-Classic, -Rapid oder -Delux), Ektacolor Prints, Fujicolor Crystal Archiv Prints oder bei Schwarzweißfotografien einen Gelatine Silber Print anderen Abzügen, insbesondere den Chromogenic Coupler Prints oder Color Coupler Prints vorzuziehen. Des Weiteren sind Vintage Prints (also Abzüge, die in einem engen zeitlichen Rahmen um den Entstehungszeitpunkt vom Künstler/Fotografen entwickelt wurden), den Period Prints (vom Künstler/Fotografen autorisierten Abzügen) oder Modern Prints (zu einem späteren Zeitpunkt erstellten Abzügen) zu bevorzugen. Hier ist auch eine höhere Sicherheit gegeben, dass der Gehalt an Restchemikalien, die vom Entwickeln noch im Abzug verblieben sind und nicht ausgewaschen wurden, geringer ist.
Die wichtigsten Grundsätze, die der Haltbarkeit von Fotografien durchaus sehr zuträglich sind, werden im Folgenden erörtert.
Die Präsentation: Beleuchtung - Temperatur - Luftfeuchtigkeit
Fotografien entstehen durch Licht und werden durch Licht zerstört. Diese Tatsache gilt besonders für Farbfotografien und ist leider unumstößlich, da sich die durch Licht verursachten Schäden aufaddieren. Selbst bei einer Lagerung im Dunkeln kommt es durch chemische Prozesse zu einer Ausbleichung der Farben. Die zerstörenden Lichtschäden sind zudem kumulativ, d.h. es ist egal ob eine Farbfotografie 1 Stunde bei 1000 Lux in der Sonne hängt oder für 1000 Stunden mit nur 1 Lux belichtet wird. Die verursachte Schädigung ist irreversibel.
Farbfotografie mit Cyanausbleich Verschiedene Konservierungsinstitute aus Kanada, den USA und Frankreich, die sich schon langjährig mit der Lichtstabilität von Fotografien beschäftigen, geben für C-Print - Abzüge eine jährliche Belichtungsdauer von 12.000 Luxstunden an, d.h. z. B. kann eine Fotografie 40 Stunden pro Woche für 3 Wochen bei einer Beleuchtung von 100 Lux gezeigt werden (3x40x100=12.000), ohne dass akute Farbausbleichungen zu befürchten sind. Alles darüber hinaus kann zu Farbverlusten führen.
Für Cibachrome Abzüge und Dye Transfer Abzüge liegt der Wert 3,5-mal so hoch (42.000lx/h).
Wenn sich Tageslicht nicht vermeiden und durch UV-Reduziertes Kunstlicht ersetzen lässt, bieten UV-Filter (Folien die von innen auf die Fenster geklebt werden) einen ausreichenden Schutz.
Die Temperatur sollte im Ausstellungsraum nicht über 20°C steigen; diese Grenze ist sowohl für den Besucher komfortabel als auch für die Fotografie, werden doch alle chemischen Prozesse bei höheren Temperaturen beschleunigt. Temperaturen von 18°C und tiefer könnten dagegen zu Zeiten, da keine Besucher in der Sammlung anwesend sind, eingestellt werden. Kühlung verlangsamt der Zerfall.
Fotografie mit Schimmelpilzbildung Die Luftfeuchtigkeit darf auf keinen Fall 55 % rF übersteigen, im Gegenteil, für Farbfotografien die bei 60%rF ausgestellt werden, zeigte sich, dass die Farbstoffe 4-mal schneller verbleichen gegenüber einer Luftfeuchtigkeit von 20%rF.
Die Einstellung einer entsprechenden Temperatur und Luftfeuchtigkeit lässt sich häufig problemlos realisieren.
Entsprechend geschult können Fotografien dann einfach montiert (hierzu dienen spezielle Klebstoffe, Passepartout und Verglasungen) und an geeignet ausgeleuchteten Wänden für eine kalkulierte Zeitdauer präsentiert werden.
Die Aufbewahrung
Drei Komponenten sind in Bezug auf eine Archivierung von Fotografien besonders zu berücksichtigen. Dies sind zum einen die Aufbewahrungsmaterialien wie Hüllen, Mappen oder Boxen für die Abzüge, zum anderen das Archivmobiliar und letztlich die Archivräumlichkeiten.
Grundsätzlich lässt sich die Lebensdauer von Fotografien nur bei sachgemäßer Lagerung bei tiefen Temperaturen und kontrollierter Luftfeuchtigkeit verlängern.
Spezialanfertigung Transportkiste Um den schleichenden Zerfall also einzudämmen, sollten Fotografien eben nur zu bestimmten Zeitpunkten gezeigt werden und die andere Zeit geeignet lagern. Entsprechende Archivbedingungen sind oft kostengünstig durch entsprechende Einrichtung (Feinfiltersystem, Archivmobiliar wie Metall- statt Holzschränken und Luftbefeuchter etc.) sowie archivgeprüfte Materialien (Silversafepaper, Archivkarton und Archivhüllen) herzustellen; dabei dienen vor allem die amerikanischen ISO-Normen als effiziente Richtlinien.
Es sollte bei der Aufbewahrung darauf geachtet werden, die Räumlichkeiten so zu wählen, dass ein konstantes trockenes (max. 50% Luftfeuchte) und kühles (max. 12-15°C) Raumklima gesichert ist. Bei einer höheren Luftfeuchtigkeit und besonders höheren Temperaturen beschleunigt sich der chemische Prozeß der Alterung rapide.
Dieser besondere Umgang mit derart empfindlichen und letztlich einmaligen Kunstwerken ist gerechtfertigt, da dadurch tatsächlich die Haltbarkeit auf einem guten Stand gehalten wird, im Gegensatz zum rapiden Absinken bei unvernünftiger und unwissender Handhabung.
Es muss also nicht immer die Devise lauten „Wir bewahren, was noch zu retten ist“, wenn es um den Umgang mit Fotografien geht, vielmehr sollte bereits beim Erwerb einer Fotografie gleich das Konzept für den Umgang mit der materiellen Empfindlichkeit miterworben werden.