Über Brand- und Rauchausbreitung sowie Löschwasserschäden von Lars Klemm, Dipl.-Restaurator (Lager- und Depotverwaltung), info@k3-artservices.de
Die vernichtende Kraft des Feuers Das Risiko, welches Sammlung im Depot oder in Ausstellungen durch Feuer und den daraus folgenden Konsequenzen droht, ist immens. Der Brand selbst stellt dabei allerdings ein, im Vergleich zu den daraus resultierenden Folgen, relativ geringes Risiko dar. Von größerer Gefahr sind die Brandprodukte wie Rauch- und Rußpartikel, Säuren oder andere chemische Verbindungen sowie die durch den Brand hervorgerufenen Begleiterscheinungen beispielweise von Löschmitteln oder einstürzenden Gebäudeteilen.
Das Feuer ist daher im Brandschutz nicht das Hauptrisiko für eine Schädigung von Kunstwerken, aber die Ursache für eine Kette von schwer kontrollierbaren Risiken.
Rauch und Ruß
Eine bedeutende Schadensquelle sind die bei der Verbrennung entstehenden Gase und der Ruß. Unter Brandbedingungen können sich aus unbedenklichen Stoffen und Bauteilen eine komplexe Vielfalt an Verbrennungsprodukten und Rückständen entwickeln.
Die Gase sind oft an den, während des Brandes entstandenen Ruß gebunden, da dieser fast ausschließlich aus Kohlenstoff besteht und Kohlenstoff viele verschiedene Stoffe an sich bindet. Je nach dem was dam Feuer zum Opfer gefallen ist, kann der Ruß entweder eine feine Staubschicht oder aber ein öliger Film sein. Ruß führt zu starken Verunreinigungen und kann sich auf Grund seiner Bindungseigenschaften sehr stark an die Kunstwerke heften.
Rußpartikel weisen eine Größenordnung von 0,1 µm-1 mm auf und können gegebenenfalls durch Lüftungsschächte oder Türschlitze in andere Räume transportiert werden, die vom eigentlichen Brand verschont bleiben. So können selbst dort, wo das Feuer nicht hingelangt ist, Brandschäden auftreten.
Kontrollierte Verbrennung einer Matratze in einer Feuerforschungsstelle Die Gefährdung durch Rauch und Ruß wird häufig unterschätzt, aber über 2/3 der Todesfälle (etwa 80%) die aus Bränden resultieren sterben nicht durch die Flammen, sondern durch die hochgiftigen Brandgase. Der Rauch, der auch als leiser Bruder des Feuers bezeichnet wird, breitet sich rasend schnell aus während der Brandherd erst mit einer gewissen Trägheit um sich greift. Als Faustregel für eine potentielle Rauchentwicklung können zwei Beispiele angeführt werden: etwa 100 g PVC genügen, um eine durchschnittliche Familienwohnung von 90 m2 innerhalb kurzer Zeit stark zu verrauchen und eine 10 kg schwere Schaumgummimatratze verwandelt sich bei der Verbrennung in ca. 25.000 m3 Rauch.
Pyrolysegase
Neben der Rauch und Rußmenge sind auch die an ihn gebundenen Schadgase Ursache für gravierende Schäden an Kunstwerken.
Brandrauch oder Pyrolysegase (Pyrolyse bezeichnet die Zersetzung von festen Stoffen durch große Hitze) sind ein Stoffgemisch aus einer Vielzahl von Feststoffen, Gasen, Dämpfen und Aerosolen (kleinste Wasserpartikel in der Luft). Die Summe aller Stoffe, die sich in 1 m3 Brandrauch alleine eines üblichen Wohnungsbrandes befinden, ist gewaltig. Sie setzen sich auf den nicht verbrannte Objekten ab bzw. dringen in sie ein. So können Kunststoffe wie PVC oder Polyurethan Chlorwasserstoffgas freisetzen, das mit Luftfeuchtigkeit einen hochaggressiven Salzsäurenebel bildet.
Bei der Einschätzung von Brandrauch bezieht man sich auf einige Leitsubstanzen, also Stoffe, die qualitativ und quantitativ die Toxitivität des Brandrauches maßgeblich beeinflussen, z.B. Kohlenmonoxid und Cyanwasserstoff.
Eine kurze Auswahl aus der Palette der entstehenden Schadstoffe die alleine beim Verbrennen von Holz, Papier und Zellstoff in den verschiedenen Brandphasen entstehen verdeutlicht die Dramatik, die sich einem Restaurator darstellt, wenn er mit Brandschäden an Kunstwerken konfrontiert wird. Im Entstehungsbrand und im Vollbrand werden CO, CO2, verschiedene Aldehyde und Aromaten, Alkohole, und Kohlenwasserstoffe freigesetzt. In der Brandbekämpfung und der Abkühlphase addieren sich noch H2O und Essigsäure hinzu.
Präventive Schutzmaßnahmen: Rauch- und Wärmeabzugsanlagen
m Brandfall muss Rauch und Wärme schnellst möglich abgeführt werden. Dies gilt sowohl als präventive Schutzmaßnahme für die Kulturgüter als auch damit Personen über Rettungswege aus den Gebäuden flüchten können und die Feuerwehr für die Brandbekämpfung einen sichtfreien und ungehinderten Zugang benötigt. Zudem kann die Wärmeabfuhr und die Temperaturabsenkung das Risiko eines Vollbrandes durch einen so genannten "flash-over" (explosionsartige Durchzündung) reduzieren und den Vollbrand verzögern.
Dazu dienen Rauch-Wärme-Abzugsanlagen (RWA). Grundsätzlich wird zwischen natürlichen und maschinellen Anlagen unterschieden. Natürliche Anlagen führen Rauch und Wärme durch den Kamineffekt ab, also der Temperatur- und Höhendifferenz zwischen Zu- und Abluft und Dichte der Luft.
Maschinelle Anlagen entlüften den zu entrauchende Raum durch einen Luftstrom der bei den meisten Anlagen durch Ventilatoren erzeugt wird.
Rauch- und Wärmeabzugsanlagen stellen somit eine elementare Verknüpfung aus vorbeugendem und abwehrendem Brandschutz dar und müssen im Brandfall störungsfrei arbeiten.
Löschmittel
Eislandschaft nach einem Löscheinsatz der Feuerwehr in einem Möbelhaus, Januar 2004. Die von der Feuerwehr eingesetzten Löschmittel verursachen ihrerseits je nach eingesetztem Medium nahezu irreparable Schäden an den Kunstwerken (Hochdruckwasser, ABC-Pulver, Schaum, Metallbrandpulver). Insbesondere der Einsatz von Löschwasser, Löschschaum und Löschpulver kann Kunstwerke, die zuvor nur marginale Schädigung durch den Brand erlitten in einen katastrophalen Zustand katapultieren.
Durch den Brand und den Löscheinsatz können weiterhin mechanische Beschädigungen wie herunterstürzende Bauteile oder in sich zusammenstürzende Lagersysteme resultieren.
Abhängig von der Art der Sammlung und der Lagerung muss genau abgewägt werden, wann etwa eine Sprinkleranlage eingebaut werden sollte. Bei einem Lagerhaus beispielsweise, in dem WErke meist in Kisten verpackt gelagert werden, ist dies eher zu empfehlen als in einem Schaulager, indem die Werke unverpackt präsentiert werden. Doch dieses Thema werden wir noch gesondert behandeln.
Darüber hinaus sollte das Vorgehen bei einem Löscheinsatz mit der zuständigen Feuerwehrstelle besprochen werden. Die Feuerwehrleute müssen auf die Besonderheiten der Sammlung und des Depots hingewiesen werden.
Maßnahmen nach dem Brandfall
Was ist zu tun nach einem Brandfall? Zuerst sollte rasch sachkundige Hilfe eingeholt werden. Es muss eine schnelle Beurteilung des Schadens und der befallenen Materialien hinsichtlich Umfang und Art der Schädigung erfolgen. Weiterhin muss zügig und professionell das Verpacken und der Transport der Kunstwerke in Restaurierungswerkstätten eingeleitet werden. Dort ist dann eine rasche Reinigung der Objekte, mechanische Entfernung des ölig-schmierigen Rauchgasfilm und der sichtbaren Ablagerungen zu gewährleisten und ggf. die Einleitung notwendiger Restaurierungsarbeiten zu veranlassen.